Neue Wege für Jungs am Mädchen-Zukunftstag

270 Mädchen der Klassen 5 bis 10 schwärmten anlässlich des bundesweit durchgeführten Girls’Days aus, um in Unternehmen und Organisationen einen Einblick in „männertypische“ Berufsfelder in den Bereichen Technik, Naturwissenschaften, Informationstechnologie und Handwerk zu nehmen. Der Mädchen-Zukunftstag ist ein mädchenspezifisches Angebot, bei dem Mädchen ihre Interessen und Talente entdecken können, so dass ihnen bei der späteren Studien- und Berufswahl ein größeres Spektrum zur Verfügung steht.

Und die Jungen? – Auch die Jungen sind häufig eindimensional auf typische „Männerberufe“ orientiert. 56 Jungen nahmen jedoch die erstmals geschaffene Gelegenheit wahr, “neue Wege zu beschreiten“ und einen Blick in typische berufliche Frauendomänen in Kindergärten, Alteneinrichtungen, Grundschulen und Arztpraxen zu werfen oder Tätigkeiten von Friseurinnen oder Schneiderinnen kennen zu lernen.

Für die in der Schule verbleibenden Jungen und Mädchen boten die Lehrkräfte der Sekundarstufe I einen Projekttag der besonderen Art an:

Jungen erhielten einen ganzen Vormittag Gelegenheit unter sich zu bleiben und in Ruhe miteinander ins Gespräch zu kommen: Anlässe boten Kooperationsspiele im Sportunterricht, Analysen von Computerspielen, die Reflexion des eigenen Medienverhaltens oder das Anfertigen von Plakaten mit typischen Frauen- und Männerdarstellungen in der Werbung. In älteren Jahrgängen dachten Jungen unter sensibler Anleitung über die eigenen Väter nach und tauschten Vorstellungen und Wünsche hinsichtlich ihrer zukünftigen Rolle als Vater aus. ‚Wann ist der Mann ein Mann?’ – über diese Frage lohnte es sich ausführlich nachzudenken.


In einem Projekt einer 8. Klasse, in dem auch vier Mädchen teilnahmen, entwickelten Jungen und Mädchen Strategien zur Lösung eines akuten Konflikts in der Klassengemeinschaft. Im Austausch zwischen den Geschlechtern erkannten die Schüler und Schülerinnen Unterschiede in ihren Konfliktlösungsstrategien und entwickelten gegenseitiges Verständnis.

Ganz ‚neue Wege’ beschritten zahlreiche Jungen, die einen „Haushaltsführerschein Kategorie I A“ erwarben: Problem- und klaglos lernten sie Knöpfe annähen, Wäsche sortieren, Hemden bügeln, Fenster putzen, Fußboden wischen, Bett beziehen, Schuhe putzen, den Frühstückstisch liebevoll decken und in Ruhe frühstücken, Kuchen backen, ein Omelett-Rezept erstellen, einkaufen. Viele Jungen gaben an, diese Arbeiten bisher noch nie oder nur sehr selten ausgeführt zu haben. Ein herzliches Dankeschön gilt an dieser Stelle drei Müttern, die die Lehrkräfte tatkräftig unterstützen!

In einer 10. Klasse stand das Thema „Haushalt“ ebenfalls im Mittelpunkt des Vormittags. Hier befassten sich die Jungen zunächst theoretisch mit den Anforderungen, die eine Haushaltsführung von der Budget-Planung bis zur Vorbereitung eines Obstsalates verlangt. Am späten Vormittag wurde der notwendige Einkauf für den Salat getätigt, das Obst zubereitet und anschließend gemeinsam gegessen. Da sie mit ihrem Lehrer allein waren, war eine Gelegenheit geschaffen worden, angstfrei Sorgen und Unwohlsein über die neue gesellschaftliche Diskussion, die die Jungen als „Loser“ zu stigmatisieren scheint, äußern zu können

Eine Gruppe beschäftigte sich mit Daten zur geschlechtsspezifischen Hierarchien an sechs Gymnasien im Bezirk Düsseldorf und fertigte eine Grafik an.

Die in der Schule verbleibenden Mädchen befassten sich z. B. im Englischunterricht mit einem Film zur Problematik von Mädchen mit anderem kulturellen Hintergrund. Die in der Werbung transportiere Frauenrolle wurde thematisiert. Eine Mädchengruppe erstellte im Medienraum einen Powerpoint-Vortrag zum Girls’Day.

Einige Mädchen dokumentierten die vielfältigen Projekte an diesem außergewöhnlichen Schultag. Euch ein herzliches Dankeschön für die Fotos in diesem Bericht!

Im Werkraum lernten andere Mädchen, was bei der Oberflächenbehandlung einer Holztischplatte zu bedenken ist.

Weitere Projekte müssen an dieser Stelle unerwähnt bleiben, jedoch waren diese von gleicher Bedeutung wie die hier vorgestellten.

Fazit des Vorbereitungsteams: Das Ziel des Projekttages, den Blick für die GENDER-Thematik zu schärfen, ohne zu moralisieren oder die Revolution ausrufen zu wollen, ist allen Beteiligten gelungen. Wir beobachteten viele zufriedene Schüler, manch einer war ein bisschen stolz auf sich – mit Recht!

Renate Reiners

(Foto: Simon Nees)