Sicher im Straßenverkehr – auch als Fahranfänger

Polizei demonstriert das Verhalten in Gefahrsituationen

 

Am 26. und 27. März trafen sich 14 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Markt zu einem Sicherheitstraining mit der Polizei. Hierbei wurde auf die Gefahren beim Autofahren hingewiesen und diskutiert, wie man Unfälle vermeiden kann. Die häufigsten Unfallursachen bei jungen Fahrern sind überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol, das Missachten der Vorfahrtsregeln sowie Fehleinschätzungen beim Abbiegen bzw. Wenden. Besonders sinnvoll erweist sich dieses Seminar, da alleine im Jahr 2006 im Kreis Herford 525 junge Fahrer aktiv an Unfällen beteiligt waren.

 

Das Seminar fand an zwei Tagen statt. Am 26. März, dem ersten Tag des Seminars, war das Verkehrstraining theoretisch aufgebaut, wohingegen es am 27. März zum praktischen Teil überging. Dieses Programm wird von der Polizei angeboten, um Unfällen vorzubeugen, da  die jungen Fahrer im Alter von 18-24 Jahren besonders häufig in Unfälle verwickelt sind.

Am ersten Tag trafen sich die 14 SchülerInnen in einem Klassenraum des Gymnasiums am Markt zum theoretischen Teil. Hier wurden einige Filme zum Thema Gefahrensituationen im Straßenverkehr gezeigt, um den Schülern die Unfallrisiken näher zubringen und zu festigen. Hierbei kam es häufig zu Schockreaktionen der Schüler. „Ich kann gar nicht hinsehen!“, war einer der Kommentare, die während der Filme zu hören waren. In den Filmen wurde insbesondere auf erhöhte Geschwindigkeiten sowie Trunkenheit am Steuer aufmerksam gemacht. Das Thema Alkohol ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, da gerade in der Altersgruppe von 18-24 Jahren sehr viele Unfälle unter Einwirkung von Alkohol passieren. Allerdings versuchten die betreuenden Polizisten Dietmar Hess und Michael Hanke diese Filme noch mithilfe von Rollenspielen zu verdeutlichen. Dadurch erlebten die Schüler direkt, wie leicht sie im Straßenverkehr durch Mitfahrer abgelenkt werden können, und lernten, wie man mit solchen Situationen umgeht, ohne als „Spaßbremse“ zu wirken. Erstaunt waren die SchülerInenn, als sie eine Brille aufsetzten, die einen bestimmten Promillegehalt im optischen Bereich vorspiegelt. Dass die Brille „nur“ 0,8 Promille im Blut simuliert, mochten sie kaum glauben, da die Wirkung sehr drastisch war. Durch das Tragen dieser Brille wurden einfache Abläufe, wie einen Gegenstand zu ergreifen oder auf einer Linie zu gehen, zu einem schweren Unterfangen. Eindrucksvoll war auch der Film zur Anschnallpflicht. Ärzte und Wissenschaftler haben die letzte Sekunde eines Autofahrers, der bei Tempo 80 ohne Gurt auf ein Hindernis aufprallt, in seinen Folgen verdeutlicht. Angeschnallt würde sich der Fahrer auch verletzen, hätte aber durchaus Überlebenschancen, während diese ohne Gurt nicht gegeben wären. Man konnte viele schockierte Gesichter sehen, als die Schüler von der Rechnung „Gewicht mal Geschwindigkeit“ hörten. Demnach wird ein 70 kg schwerer Mitfahrer, der nicht angeschnallt ist, im Falle eines Unfalls bei 50 km/h mit einem Gewicht von 3,5 Tonnen durch das Auto geschleudert.

 

Am nächsten Tag trafen sich die SchülerInnen um 9 Uhr mit den zuständigen Polizisten sowie  dem betreuenden Lehrer W. Bulla in Herford auf der Kiewiese zum praktischen Teil des Verkehrssicherheitstrainings. Hierbei war es notwendig, mit dem eigenen Auto zu erscheinen, um die vorgesehenen Übungen zu absolvieren. Die SchülerInnen stellten sich hintereinander in einer Reihe auf, um nach und nach mit möglichst hoher Geschwindigkeit im Slalom um die ca. 10 Pilonen zu fahren, ohne diese zu berühren. Nachdem anfangs alle sehr zaghaft mit niedrigem Tempo begonnen hatten, bekamen sie immer mehr Sicherheit und einige SchülerInnen schafften es am Schluss, teilweise mit bis zu 35 km/h die Pilonen zu umfahren. Im Verlauf der Übung wurden sowohl einige wichtige Korrekturen an der Sitzeinstellung als auch an der Steuerung des Blickes vorgenommen. Sinn dieser Übung ist es, in Gefahrensituationen besser reagieren und ausweichen zu können und die eigenen Grenzen zu erkennen. Hierzu musste jede Schülerin und jeder Schüler auch eine Gefahrenbremsung aus 30 km/h durchführen. Um zu verdeutlichen, wie stark sich der Bremsweg bei erhöhter Geschwindigkeit verändert, führte einer der Polizisten Gefahrenbremsungen bei bis zu 70 km/h durch, bei denen jeweils 3 SchülerInnen im Streifenwagen mitfahren konnten. Es wurde eindrucksvoll und anschaulich bewiesen, dass der Bremsweg tatsächlich bei der doppelten Geschwindigkeit 4-Mal so lang wird. Am drastischsten war der Versuch mit der Tapetenrolle, die über die Fahrbahn gespannt wurde. An dieser Stelle war das Auto bei einer Gefahrenbremsung aus 50 km/h zum Stehen gekommen. Als diese Übung mit 70 km/h wiederholt wurde, durchbrach das Auto die Tapete mit fast 60 km/h. Das war ein Schock für die Schüler. „Ich hätte niemals gedacht, dass das Auto noch so schnell sein würde!“ So machten die Polizisten anschaulich, wie riskant das Fahren auch mit einer nur leicht überhöhten Geschwindigkeit ist. Die Tapete hätte auch ein Mensch sein können, der gerade erst auf die Straße getreten ist. Mit 50 km/h hätte er nur einen Schock erlitten, bei 70 km/h allerdings wären die Überlebenschancen äußerst gering. Zusätzlich wurden auch noch die Möglichkeiten der passiven Sicherheit erläutert. Hierzu gehören die einfachsten Grundregeln wie anschnallen und eventuelle Ladungen zu sichern.

Alles in allem waren es zwei sehr interessante, wenn auch teilweise leicht schockierende Tage, an denen die Schülerinnen und Schüler noch viel dazugelernt haben, um sich nun noch sicherer durch den Straßenverkehr bewegen zu können.

 

Sarah Kuhlmann, Julia Südhölter

W. Bulla