NS-Überlebender Jacob Shepetinski aus Israel und Ulrike Jäger bei der Diskussion am Gymnasium am Markt
Besondere Geschichtsstunde für die 10. Klassen des Gymn. am Markt in der Aula | |
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Der 1920 im damaligen Polen geborene und heute in Israel lebende Jacob Shepetinski und Ulrike Jäger, Jugendreferentin der Evangelischen Kirche in Bünde, hielten am Donnerstag (10. 11. 05) berichteten Schüler/innen der Jahrgänge 10 bis 13 am Gymnasium am Markt über die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in der Stadt Slonim, damals Polen, heute Weissrussland durch die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs. Mit bewegenden Worten schilderte Shepetinski die Vorgänge, die er und seine Familie erlebten, als die etwa 35000 Menschen, die der jüdischen Gemeinde in der Stadt Slonim und aus den umliegenden Orten und Dörfern angehörten, vom August 1941 an in ein Ghetto zwangsweise übergesiedelt wurden und dort von der deutschen Besatzungsmacht eingesperrt und mehr oder weniger sich selbst überlassen wurden, ohne ausreichende Lebensmittelversorgung, ohne medizinische Versorgung, und auch ohne Versorgung und Betreuung für die Kinder. Die Kinder waren denn auch die ersten, so bestätigte Shepetinski, die aufgrund der absichtlich von den Deutschen herbeigeführten katastrophalen und apokalypitsch anmutenden Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung im Ghetto von Slonim an Krankheiten und Entkräftung elend sterben mussten. Als die tägliche Todesrate im Ghetto den Deutschen nicht hoch genug war und das Sterben der im Ghetto gefangenen Menschen nicht schnell genug vor sich ging, entschlossen sich die deutschen Besatzer, die Menschen zu erschießen. Am 14. November 1941 wurde diese unvorstellbar furchtbare und verbrecherische Massenerschießúng tatsächlich durchgeführt. Jacob Shepetinski überlebte sie wie durch ein Wunder und konnte sich lebend aus dem Massengrab befreien und fliehen. Der Vortrag Shepetinskis wurde durch Fotodokumente aus Weissrussland unterstützt, den Ulrike Jäger bei Workshops mit Jugendlichen aus Bünde und dem Kreis Herford gemacht hat, die an den Orten der Kriegsverbrechen dort Erinnerungsarbeit und historische Forschungsarbeit während der Schulferien geleistet haben. Auch Schüler/innen des Gymnasiums am Markt waren dabei zu sehen. Sie kümmerten sich um die Gedenk- und Grabstätten der Opfer der Massenerschießungen und ging genau den Weg, den auch Jacob Shepetinski an jenem 14. November 1941 gehen musste. Ulrike Jäger ist es auch zu verdanken, dass der Kontakt zu Jacob Shepetinski in Israel hergestellt werden konnte. Dieser sprach zum ersten Mal seit Ende des Krieges wieder in deutscher Sprache, wie er am Anfang seiner Schilderungen hervorhob. Die Schüler/innen stellten interessiert Fragen an Shepetinski, die dieser sehr einfühlsam und entgegenkommend beantwortete, so dass sich eine rege Diskussion ergab. Am Ende waren die Schüler/innen beeindruckt von der Person Shepetinskis und davon so direkt und authentisch etwas über das beinahe unvorstellbare Leiden der jüdischen Bevölkerung in der Stadt Slonim während der deutschen Besatzung Polens erfahren zu können.
Dr. Jahnke, StR. | ![]()
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